20. November 2020
Zweierlei Hilfsfonds …

Kinderzimmermietkostenzuschuß: „Corona oder nicht Corona – Kinderzimmer kosten Miete“
Finanzielle Unterstützung für Eltern in der Theater- und Unterhaltungsbranche initiiert von Wirtschaft kann Kinder e. V. und den Schau­spielerinnen Victoria Trauttmansdorff und Theresita Colloredo.
Bewerbung bis 11. Dezember 2020 per Mail oder postalisch mittels des zugehörigen Antragsformulars: Wirtschaft kann Kinder – Corona-Aktion

Die Deutsche Künstlerhilfe des Bundespräsidenten unterstützt in Not geratene ältere Künstler*innen – Vorschläge für 2020 rasch einreichen: bundesverband freie darstellende künste


20. November 2020
2. Offener Brief an die Stiftung Kunstfonds aufgrund der Vergabe der „Stipendien für Künstler*innen mit Kindern unter 7 Jahren (Sonderförderprogramm 20/21 NEUSTART KULTUR)“

Hamburg, den 11. November 2020

Sehr geehrte Frau Prof. Brandmeier, sehr geehrte Frau Dr. Lingl,
sehr geehrter Herr Prof. Melhus, sehr geehrter Herr Zeidler,
sehr geehrtes Kuratorium der Stiftung Kunstfonds,

wir beziehen uns hiermit auf Ihre durch Frau Dr. Karin Lingl am 3. November 2020 verfasste Antwort auf unseren Offenen Brief vom 6. Oktober 2020 bezüglich der „Stipendien für Künstler*innen mit Kindern unter 7 Jahren (Sonderförderprogramm 20/21 NEUSTART KULTUR)“.

Wir bedauern, dass Sie in Ihrem Anschreiben auf eine Vielzahl der von uns gestellten Fragen nicht eingehen, empfinden vor allem aber Ihre Begründung für die Art der Verteilung besagter Stipendien weder als zeitgemäß noch als der Ernsthaftigkeit der aktuellen (vielschichtigen) Situation gerecht werdend.

Einleitend Folgendes: Sie ziehen das Auswahl­kriterium der Qualität mehrfach und im Grunde auch alleinig zur Begründung Ihres Verteilungs­vorgehens heran. Wir vertrauen der fachlichen Expertise der von Ihnen ausgewählten Jurymitglieder, möchten aber in Erinnerung rufen, dass das Kriterium der Qualität, insbesondere im Bereich des Künstlerischen, ein Totschlag­argument ist – und als solches auch von Ihnen genutzt wird – und, dass die qualitätsorientierte Bewertung von Kunst immer einen subjektiven Restanteil beinhalten wird und entsprechend nicht sakrosankt sein kann.

Bewegen wir uns nun einen Schritt zurück: Wir haben die Ausgangssituation eines „Stipendium[s] für bildende Künstler*innen mit Kindern unter 7 Jahren“, für das bei der Stiftung Kunstfonds 826 Anträge (497 w, 323 m, 6 d) eingehen. 94 jener Anträge werden bewilligt. Entsprechend der Zahlen auf Ihrer Homepage erhalten 44 Frauen, 47 Männer und 3 diverse Bewerber*innen den Zuschlag. Das bedeutet, dass 8,6 % der Anträge von Frauen, 14,6 % der Anträge von Männern und 50 % der Anträge von diversen Bewerber*innen erfolgreich waren.

Folgen wir der Logik der Stiftung Kunstfonds, dass allein herausragende Qualität zu einer Auszeichnung mit einem der obig benannten Stipendien führt, so bedeutet das, in der Masse betrachtet, dass die Qualität der Anträge der Frauen (entsprechend Ihrer Maßgaben) deutlich niedriger lag als die Qualität der Anträge der Männer.
Führen wir uns Ihr Schreiben vom 3. November erneut vor Augen, so scheint dieser Sachverhalt sowie eine Frage nach dem Warum für Sie nicht im Geringsten relevant zu sein. Und doch ist es so, dass sich eben an dieser Stelle, sollte hier tatsächlich ein Qualitätsproblem vorliegen, die Realität der strukturellen Benachteiligung von Künstlerinnen mit Kind(ern) zeigt, die uns bereits vor der Stipendienvergabe dazu veranlasste, Sie diesbezüglich zu kontaktieren (siehe unser Schreiben vom 4. August): Wir halten es für angemessen nicht davon auszugehen, dass Männer grundsätzlich bessere Kunst machen – wie kommt es also, dass die Einreichungen der weiblichen Künstlerinnen in genau jenem Förder­segment en gros von (vermeintlich?) geringerer Qualität waren als die ihrer männlichen Kollegen? Mag das an einer überproportionalen Einbindung der Mütter in Sorgeaufgaben liegen? An einem dadurch begünstigten temporären Einbruch ihrer künstlerischen Produktion? An einem Einbruch der Quantität ihres künstlerischen Outputs? Einer verringerten Sichtbarkeit und einer weniger üppigen künstlerischen Vita? Und wäre es nicht sinnvoll, diesem Missstand zu Leibe zu rücken?
Die Gleichgültigkeit der Stiftung Kunstfonds gegenüber jenem (mitunter komplexen) Sachverhalt zeigt, dass das – dieses Stipendium bestimmende – Kriterium der Elternschaft allein als Vorwand für eine Vorauswahl missbraucht wurde, dass es keinerlei inhaltliche Rolle im weiteren Verfahrensverlauf spielte und zudem der coronabedingten Situation von insbesondere Müttern keine Beachtung gezollt wurde (wir rufen uns hier noch einmal in Erinnerung, dass das NEUSTART KULTUR-Programm als Folge der corona­bedingten finanziellen Engpässe in der Kulturbranche begründet wurde, die u. a. mit einer extremen Intensivierung von Sorgeverpflichtungen einhergehen oder auch durch jene verstärkt werden: wer Kinder betreut kann kaum arbeiten, weder künstlerisch noch im eventuellen zusätzlichen (kunstfernen) Broterwerb – dies gilt übrigens auch für die Eltern von Kindern, die älter als 7 Jahre sind).
Es ist schade, dass die Stiftung Kunstfonds es nicht geschafft hat, im Rahmen der Verwaltung dieses dafür derart prädestinierten Stipendiums, ein Türchen gen Geschlechter­gerechtigkeit zu öffnen.
Wir befinden uns im Jahr 2020 – Familien­freundlichkeit, Frauen­förderung und Geschlechter­gerechtigkeit spielen eine Rolle!

Wir stoßen uns außerdem ungemein an Ihrer Formulierung, dass „Förderungen der Stiftung Kunstfonds […] weder Sozial­leistungen noch Wirtschafts­beihilfen [sind]“.
Für den Regelbetrieb erkennen wir das (bedingt) an.
Das durch die Bundesregierung finanzierte Maßnahmenpaket NEUSTART KULTUR wird jedoch (auch auf Ihrer Homepage) als „Hilfspaket“ und „Rettungspaket“ bezeichnet. Folglich sind die Stipendien im Rahmen dieses Programms als Not lindernde Wirtschaftsbeihilfen zu betrachten. Und diese Not ist ganz sicher bei jenen Künstlern größer, die nicht zu einer bereits durchgängig oder mehrfach geförderten Elite gehören.
Es empört uns, dass Sie die Verantwortung für eine stärker bedarfsorientierte Verteilung der Stipendien gänzlich von sich weisen und mit der Aussage, dass „die Frage der Bedürftigkeit […] vielmehr in der solidarischen Verantwortung der Bewerber*innen [liege]“, alleinig der Künstler*innenschaft zuweisen.

Abschließend sei gesagt: wir wünschen uns, dass eine Stiftung Ihres Formats, die sich natürlich der Förderung von Qualität, so diese denn verortbar ist, verpflichtet fühlen muß, im richtigen Moment darüberhinaus aber auch Kriterien berücksichtigt, die einer übergeordneten Situation oder eines zeitgemäßen, gesamtgesellschaftlichen Interesses zuträglich sind.

Wir verbleiben mit freundlichen Grüßen,

Marcia Breuer
für die Initiative Mehr Mütter für die Kunst.


20. November 2020
Antwortschreiben der Stiftung Kunstfonds auf unseren Offenen Brief vom 6. Oktober 2020

Eingang am 3. November 2020 in Form einer Rundmail an mehrere Adressaten:


Sehr geehrte Damen und Herren,

wir beziehen uns auf Ihre Schreiben bzw. offenen Briefe und dürfen in diesem Zusammenhang an einige Grundsätze der Stiftung Kunstfonds erinnern:

  • Zweck der Stiftung ist die Förderung der zeitgenössischen bildenden Kunst. Die Stiftung Kunstfonds unterstützt künstlerisches Schaffen und die Entwicklung künstlerischer Initiativen, soweit diese für die deutsche Kulturentwicklung insgesamt von Bedeutung sind. Sie fördert gleichzeitig das Bemühen, zeitgenössische Kunst weiteren Bevölkerungskreisen zu vermitteln. Gefördert werden einzelne Künstler*innen ebenso wie Modellvorhaben mit gesamtstaatlicher Bedeutung.
  • Über die Vergabe von Förderungen entscheiden unabhängige, vom Stiftungsrat gewählte Jurys aus künstlerisch bzw. fachlich qualifizierten Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands.
  • Die Jurys entscheiden über eine Förderung ausschließlich anhand der künstlerischen Qualität. Die künstlerische Arbeit der Stipendiat*innen und die Projekte müssen einem bundesweit herausragenden Qualitätsmaßstab entsprechen.


Darüber hinaus weisen wir auf folgende Punkte hin:

  • Förderungen der Stiftung Kunstfonds sind weder Sozialleistungen, noch Wirtschaftsbeihilfen. Kriterium für eine Förderung ist die künstlerische Qualität. Wir überprüfen deshalb auch nicht die finanziellen Verhältnisse jedes Künstlers oder jeder Künstlerin, die Frage der Bedürftigkeit liegt vielmehr in der solidarischen Verantwortung der Bewerber*innen.
  • Das Auswahlkriterium der künstlerischen Qualität galt auch für das Förderprogramm „Stipendium für bildende Künstler*innen mit Kindern unter 7 Jahren“, das im Rahmen des Zukunftspakets NEUSTART KULTUR einmalig ausgeschrieben wurde. Weder das Geschlecht, noch die soziale und ökonomische Situation der Antragstellenden waren deshalb von der Jury zu berücksichtigen. Voraussetzung für eine Antragstellung war u. a., dauerhaft ein Kind unter 7 Jahren im eigenen Haushalt zu betreuen.


Mit freundlichen Grüßen
i.A.
Dr. Karin Lingl
Geschäftsführerin


(Das Antwortschreiben der Stiftung ist in erweiterter Form unter der Überschrift AUS AKTUELLEM ANLASS auch auf der Website der Stiftung Kunstfonds abrufbar.)


10. November 2020
Die taz berichtet über die fragwürdige Vergabepolitik der Stiftung Kunstfonds

Fragwürdige Juryentscheidung
„Kunst und Care-Arbeit“
Der Kunstfonds Bonn vergab das „Stipendium für bildende Künstler*innen mit Kindern unter 7 Jahren“ an mehr Männer als Frauen.

Unsere Gesellschaft tut sich bekanntlich nicht nur schwer, die für ihren Erhalt grundlegende Care-Arbeit gerecht zu entlohnen, wie sich in der Coronakrise in aller Deutlichkeit zeigt. Noch schwerer tut sie sich damit, die Frauen, die hier den Großteil der Arbeit leisten, davon zu entlasten und deshalb die Männer verstärkt zur Verantwortung zu ziehen.
Einen Bereich freilich gibt es in unserer Gesellschaft, da scheint die Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen, was die Reproduktionstätigkeit angeht, offenbar schon vollkommen gerecht verteilt – nämlich auf dem Feld der Kunst. […]

Brigitte Werneburg, taz, 10. November 2020

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10. November 2020
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29. Oktober 2020
Mehr Mütter für die Kunst. zu Gast bei BURNING ISSUES

Neben vielen weiteren tollen Speaker*innen, Organisationen und Performer*innen ist auch Mehr Mütter für die Kunst. bei der BURNING ISSUES MEETS KAMPNAGEL-Konferenz in Hamburg vertreten.

30. Oktober – 1. November 2020, Kampnagel, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg
BURNING ISSUES MEETS KAMPNAGEL
Ensemble Netzwerk: Burning Issues Livestream

Mehr Mütter für die Kunst. findet Ihr auf dem „Markt der Möglichkeiten“ (Samstag, 31. Oktober, 14 Uhr): Hier präsentieren sich politisch aktive Verbände und Interessensvertreter*innen, die sich für einen umfassenden Strukturwandel stark machen.

––––––

2018 von Lisa Jopt und Nicola Bramkamp initiiert, ist BURNING ISSUES das Forum, das bundesweit Künstler*innen und Medienschaffende zusammenbringt, um die Branche gerechter zu gestalten und Fragen zu stellen. Wie viele Geschlechter kennt das Theater eigentlich? Welche Rolle spielen Faktoren wie Klasse oder Alter im Laufe einer Theaterkarriere? Wie überschneiden sich struktureller Rassismus und Sexismus im Kulturbetrieb? Wie können Institutionen Barrieren abbauen und solidarisch agieren? In Vorträgen, Diskussionen, künstlerischen Interventionen, Performances und Netzwerkformaten werden geschlechterspezifische Hierarchien an Stadttheatern und freien Produktionshäusern, in Ensembles und Kollektiven, auf und hinter der Bühne durchleuchtet. Die Überschneidungen unterschiedlicher Ausschlüsse im Kulturbetrieb stehen dabei im Fokus: BURNING ISSUES ist nicht nur ein Ort der Vernetzung, sondern auch ein Raum zum Lernen voneinander und zum gegenseitigen Beflügeln. Die bundesweite Konferenz für Geschlechtergerechtigkeit in der Kultur- und Theaterbranche wurde in Bonn begründet, war letztes Jahr beim Berliner Theatertreffen zu Gast – und findet 2020 in einer Kooperation mit Kampnagel in Hamburg statt.


8. Oktober 2020
Offener Brief an die Stiftung Kunstfonds aufgrund der Vergabe der „Stipendien für Künstler*innen mit Kindern unter 7 Jahren (Sonderförderprogramm 20/21 NEUSTART KULTUR)“

Hamburg, den 6. Oktober 2020

Sehr geehrte Frau Prof. Brandmeier, sehr geehrte Frau Dr. Lingl,
sehr geehrter Herr Prof. Melhus, sehr geehrter Herr Zeidler,
sehr geehrtes Kuratorium der Stiftung Kunstfonds,

wir beziehen uns hiermit auf das von uns mit unterzeichnete Anschreiben von kunst + kind berlin vom 4. August 2020, Ihre durch Frau Dr. Karin Lingl verfasste Replik vom 24. August 2020 sowie im Besonderen auf die kürzlich erfolgte Vergabe der „Stipendien für Künstler*innen mit Kindern unter 7 Jahren (Sonderförderprogramm 20/21 NEUSTART KULTUR)“.

Vor einigen Wochen wurden die Stipendiaten der benannten Ausschreibung bekanntgegeben: 94 Künstler*innen werden die durch das Stipendium gewährte Förderung von jeweils 12.000 Euro erhalten – 49 der Begünstigten sind Männer, 42 Frauen und weitere 3 Stipendien wurden gemeinschaftlich an gemischtgeschlechtliche Paare vergeben.

In unserem Anschreiben vom 4. August 2020 hatten wir darauf hingewiesen, dass wir es als notwendig erachten, dass eine geschlechter­gerechte, der aktuellen Betreuungs­realität Rechnung tragende Vergabe der ausgeschriebenen Stipendien erfolgt.
Wir hatten dies durch den Hinweis auf die IFSE-Studie fundiert begründet und natürlich auch auf diverse Studien zur Familien­situation und inner­familiären Rollenverteilung während der ersten Hochzeit der Corona-Pandemie verwiesen.
In Ihrem durch Frau Dr. Karin Lingl verfassten Antwortschreiben vom 24. August 2020 begegnete Frau Lingl jener Argumentation eher ausweichend. Hinsichtlich der Ausschreibung der „Stipendien für Künstler*innen mit Kindern unter 7 Jahren“, vermittelte sie keine klare Haltung in Bezug auf eine geschlechter­bezogene oder -gerechte Verteilung der Fördermittel.

Die Ausschreibung des Stipendiums erfüllte uns ursprünglich mit großer Freude. Zwar hatte man die Eltern von nach wie vor zuwendungs- und betreuungsbedürftigen (Grund-)Schulkindern (Stichwort: Homeschooling!) außen vor gelassen, aber: Künstler*innen mit Kind(ern) wurden hier endlich mitgedacht.
Die nicht einmal paritätische Verteilung der Stipendien durch die Stiftung Kunstfonds, von der das Mitdenken gesamt­gesellschaftlicher Zusammenhänge erwartet werden kann, enttäuscht und empört uns nun in weit größerem Maße.

Natürlich wünschen auch wir uns eine Realität, die die Vergabe der Stipendien in der stattgefunden Form begründen würde, und wir möchten auch keinem der begünstigten Väter unterstellen, dass er sich nicht mindestens zu 50% um Kind(er) und Haushalt kümmert – die u. a. durch obig benannte Studien belegte Realität begründet die Stipendien­verteilung der Stiftung Kunstfonds jedoch in keinster Weise.

Wir können es uns nicht anders vorstellen, als dass Sie an dieser Stelle das Argument der Qualität ins Feld führen werden und möchten deshalb zwei diesbezügliche Gegenfragen einbringen:
Wäre es erstens möglich, dass die überproportionale Einbindung der Mütter in Sorgeaufgaben zu einem temporären Einbruch ihrer künstlerischen Produktion führen kann? Und in der Folge auch das, häufig die Assoziation von Qualität begünstigende, Arbeiten an der künstlerischen Vita und der eigenen Sichtbarkeit zum Erliegen kommen mag?
Und ist es dann zweitens sinnvoll (von Fairness wollen wir hier überhaupt nicht sprechen), den benannten Einbruch nicht zu berücksichtigen und damit die Kluft zwischen jenen Künstlerinnen, die sich in größerem Maße einer Sorge­verantwortung stellen, und jenen Künstler*innen, die dies nicht tun (müssen), ins Zukünftige hinein zu vertiefen?

Über die Geschlechter­problematik hinausgehend haben wir, nach einer ausführlichen Sichtung der Stipendiaten, außerdem festgestellt, dass der sozio-ökonomischen Situation der Bewerber offensichtlich wenig bis gar keine Beachtung geschenkt wurde. Wir halten auch dies, im Speziellen innerhalb jenes besonderen Förderpakets, für sehr fragwürdig.

Wir fordern, in Union mit unseren Schwester­initiativen in Berlin und München, eine dezidierte Stellungnahme der Stiftung Kunstfonds zu der hinsichtlich „NEUSTART KULTUR – Stipendien für Künstler*innen mit Kindern unter 7 Jahren“ erfolgten Verteilungspolitik und die Beantwortung folgender Fragen:

1. Wie viele Bewerbungen wurden von Künstlerinnen und wie viele von Künstlern eingereicht?
2. Warum wurde, obwohl aktuelle Fakten und Statistiken mehrfach belegen, dass die Sorge­verpflichtungen zum Großteil von Frauen wahrgenommen werden, nicht gendergerecht entschieden? (siehe auch unser o. g. Schreiben)
3. Warum wurde nicht einmal paritätisch entschieden?
4. Welche Anweisungen gab es bzgl. der Auswahlkriterien und der Auswahlquote von Stiftungsseite an die Jury?
5. Warum wurden die Einsendungen nicht dahingehend überprüft, ob zeitnahe anderweitige Förderungen vorliegen? (einige Stipendiat*innen haben in jährlicher Folge hochdotierte Stipendien erhalten, auch von der Stiftung Kunstfonds)
6. Warum wurden nur Künstler*innen angesprochen, die Kinder bis 7 Jahre haben?
7. Welches sind die Qualitätskriterien, nach denen Ihre Jury ausgewählt hat?

Sehr gerne stehen wir der Stiftung Kunstfonds, im Falle einer hoffentlich stattfindenden Neuauflage von Förderungen im Kontext der Künstler*innen­elternschaft, beratend zur Seite – wir wissen den mit der Ausschreibung verbundenen Ansatz zu schätzen und sind uns auch im Klaren darüber, dass eine gerechte, zielgerichtete und gleichsam qualitäts­orientierte Vergabe der Stipendien nicht ohne Weiteres umzusetzen ist.

In Erwartung Ihrer Antwort verbleiben wir mit freundlichen Grüßen,

Marcia Breuer
für die Initiative Mehr Mütter für die Kunst.


3. Oktober 2020
HALLE4 berichtet: „Auch Künstlerinnen wollen Kinder haben“

Damian Zimmermann berichtet im Onlinemagazine der Hamburger Deichtorhallen HALLE4 über die Fördersituation der bildenden Kunst in Deutschland und mögliche Ansätze hier nachzubessern und vergißt es dabei nicht, auch die Situation von Künstlerinnen* mit Kind(ern) mitzudenken. Danke dafür!


18. Mai 2020
Statement zur aktuellen Situation

Viele Kunst- und Kulturschaffende können ihre Arbeit nach wie vor noch nicht wieder aufnehmen bzw. sehen keine Möglich­keit, ihre künstlerischen Erzeug­­nisse wirtschaftlich einzubringen. Wie alle übrigen Eltern auch, sehen sich Künstler*innen mit Kind(ern) im Kita- und Schulalter darüber hinausgehend noch immer damit konfrontiert, die Kinder­betreuung, die Erwerbs­arbeit und die oftmals separat zu denkende künstlerische Produktion unter einen Hut zu bringen.

Aufgrund der nach wie vor bestehenden Fragilität und auch der Neuartigkeit der Situation maßen wir es uns nicht an, Forde­rungen zu stellen oder Lösun­gen liefern zu können. Wir wollen jedoch mitgedacht werden und erwarten, dass die Selbst­verständlichkeit, mit der wir in den vergangenen Monaten neben oder auch anstelle der Erwerbsarbeit mit großem Einsatz die Betreuung und Beschulung unserer Kinder übernommen haben, durch eine adäquate Unter­stützung von Seiten der Politik gespiegelt wird.

Nun, da der Einzelhandel wieder geöffnet hat, Gastronomie, Hotellerie und Tourismus wieder in Bewegung kommen und auch der Spiel­betrieb in der Bundes­liga wieder aufgenommen wurde, entsteht der Eindruck, als würden jene Lockerungen durch die Hinnahme bestehender Einschränkungen im Schul­betrieb und im Kulturleben erkauft, als würden weitere Öffnungs­­maßnahmen hinter dem Rücken der Eltern, der Kinder und auch dem der Künstler*innen und Kultur­schaffenden ausgehandelt.

Zählt man ein vielfältiges Spektrum künstlerischer Produktion zu einem unsere Demo­kratie mit ausmachenden gesell­schaftlichen Wert, so wäre eine krisen­­bedingte Markt­bereinigung im Segment der Kunst und Kultur absolut fehl am Platz!

Und besteht man darauf, dass Kinder System­relevanz haben, dass Solidarität (nicht nur in Krisenzeiten) von essentieller Bedeutung ist und, nicht zuletzt, dass Gleich­stellung nach wie vor erwünscht ist, dann muss diesen Bekennt­­nissen mittels der (vollen) gesell­schaftlichen Integration und der Unter­stützung von Eltern im Allgemeinen und Müttern* im Besonderen Rechnung getragen werden!


18. Mai 2020
Video-Konferenz zur aktuellen Situation mit K&K München und kunst + kind berlin

Kinder Kunst Corona – Eine Video-Konferenz zur aktuellen Situation (Kunst und Elternschaft in Zeiten von Corona)
3. Mai 2020, 40 min.

Gabi Blum (K&K – Bündnis Kunst & Kind München)
Marcia Breuer (Mehr Mütter für die Kunst Hamburg)
Teresa Monfared (kunst + kind berlin)
Anna Schölß (K&K – Bündnis Kunst & Kind München)

Am Sonntag den 3. Mai 2020 ensteht das Video „Kinder Kunst Corona“ relativ spontan als One Shot. Vier Künstlerinnen aus verschiedenen Städten treffen sich online, um sich nach sieben Wochen Lockdown über die Situation der Künstler*innen in Elternschaft auszutauschen. Ein roher, ungeschnittener und fast dadaistischer Dialog ensteht, denn zuvor wurden weder der konkrete Ablauf noch die Inhalte abgesprochen. Die Künstlerinnen reagieren spontan und zufällig aufeinander. Sie tragen vorbereitete und freie Texte, die sie selbst formuliert, aus dem Umfeld gesammelt haben oder die der aktuellen Berichterstattung entnommen wurden, und Zitate von Politiker*innen und anderen Verantwortlichen vor. Im Videomitschnitt entsteht eine besondere Art von künstlerischer Performance, die das Stimmungsbild dieser seltsamen Zeit in seiner ganzen Vielfalt abbildet.

Hier geht es zum Video auf Vimeo.

Hier geht es zum Video auf der Facebook-Seite von K&K München.


28. Februar 2020
Demonstration „fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen“ am 8. März 2020 in Berlin

Zum Weltfrauentag findet am Sonntag, den 8. März 2020 von 14 bis 16 Uhr vor der alten Nationalgalerie in Berlin die u.a. vom Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 und kunst + kind Berlin initierte Demonstration „fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen“ inklusive performativer Aktionen und kurzer Impulsbeiträge statt.
Mehr Mütter für die Kunst. unterstützt die Demonstration und ist qua Flagge vertreten.

8. März 2020, 14–16:00 Uhr, Platz vor der Alten Nationalgalerie Berlin (Museumsinsel, Bodestr. 1-3)


20. Januar 2020
Gesprächsrunde „Kind und Kunst“ an der HFBK Hamburg

Kind und Kunst. Eine Gesprächsrunde mit Marcia Breuer/Mehr Mütter für die Kunst., Dörte Habighorst, Willy Hans, Lisa Klosterkötter, Anna Mieves und Tillmann Terbuyken, moderiert von Prof. Heike Mutter

„Kinder gelten als Killer von Künstlerkarrieren, schließlich kann es nur eine Liebe geben. Doch muss das so sein?
Viele Künstler*innen der jüngeren Generation verstehen die Erfahrungen der Elternschaft nicht mehr als Hemmschuh, sondern als Ressource für ihre Kreativität. Für andere sind Kinder ein unverzichtbarer Bestandteil ihres Lebensentwurfes, dennoch fällt ihnen der oft beschworene Balanceakt zwischen Beruf und Familie wesentlich schwerer als anderen berufstätigen Eltern.
Heike Mutter diskutiert mit anderen Künstlereltern über das Spannungsfeld zwischen Kind und Kunst.“

30. Januar 2020, 10:30 Uhr, HFBK Hamburg, Lerchenfeld 2 (Le), Raum 11
www.hfbk-hamburg.de

Nachtrag: die Videoaufzeichnung der Gesprächsrunde kann unter mediathek.hfbk.net/l2go/-/get/v/27 eingesehen werden.


25. November 2019
Die ZEIT ONLINE berichtet über Mehr Mütter für die Kunst.

Die ZEIT ONLINE und der Hamburger ZEIT-Newsletter „Elbvertiefung“ berichten über Mehr Mütter für die Kunst.


13. November 2019
Raphael Dillhof schreibt über Mehr Mütter für die Kunst.

Der Kunsthistoriker und Autor Raphael Dillhof schreibt auf der Rhizome-Plattform der HFBK Hamburg über Mehr Mütter für die Kunst.


29. Oktober 2019
Mehr Mütter für die Kunst. am 1. November 2019 im hinterconti

Das hinterconti weiht seine neuen Räumlichkeiten ein und Mehr Mütter für die Kunst. ist dabei:

WIR SIND ZURÜCKEINE WAND ZU HÄNGEN
am 01. November 2019

mit Mathieu Bessey, Marcia Breuer/Mehr Mütter für die Kunst., Nils Emde, Julia Frankenberg, Veronika Gabel, Elena Getzieh, Maik Gräf, Annette Grotkamp, Dörte Habighorst, Alexandra Hojenski, Leonid Kharlamov, Nils Knott, Charlotte Livine, Pan Liting, Michaela Melián, Stefan Mildenberger, Nele Möller, Tintin Patrone, Dos Pfeil, Anne Pflug, Joshua Sassmannshausen, Silke Silkeborg, Jakob Sitter, ANna Tautfest

www.hinterconti.de


28. Oktober 2019
Mehr Mütter für die Kunst. zu Gast in der Gesprächsrunde „Der weibliche Blick I“

Gesprächsrunde im Rahmen der Gruppenausstellung „She World“ in der Galerie im Marstall in Ahrensburg.

Dieser Talk beschäftigt sich mit dem sozialen Aspekt des Lebens und Arbeitens von Künstlerinnen.
In welchen sozialen Strukturen arbeiten Künstlerinnen, was muss sich verbessern, was hat sich bereits verbessert?
Mit Marcia Breuer (Künstlerin der Ausstellung, Mehr Mütter für die Kunst.), Nina Lucia Groß, (femrep e.V.), Franziska Storch & Charlotte Gaitzsch (Saloon Hamburg)

20. Oktober 2019, 15 Uhr

Galerie im Marstall Ahrensburg